Bio Boom bleibt nicht ohne Folgen

Die Bio-Branche ist in den letzten Jahren mächtig unter Druck geraten: Futter-Skandale und Betrüger haben einen schlechten Einfluss auf das Image der Branche. Zudem sorgt die Förderung von Bioenergie dafür, dass Land- und Pachtpreise in die Höhe schnellen. Dadurch haben ökologisch wirtschaftende Höfe kaum eine Chance, weil sie beim Bodenpreis einfach nicht mithalten können.

Kein Wunder, dass es um die Produktivität der Öko-Landwirte im Vergleich zu herkömmlich arbeitenden Bauern eher schlecht gestellt ist. Auch wenn die Gewinne von Bio-Bauern leicht zunehmen, können konventionell arbeitende Landwirte ein deutlich besseres Ergebnis erzielen. Fakt ist, dass ein durchschnittlicher Bio-Bauer etwa 10 Prozent weniger verdient, als sein Nicht-Bio-Kollege.

Dabei mangelt es nicht an Kunden, denn auch im letzten Jahr nahm der Absatz von Bio-Produkten erneut um 4,8 Prozent zu. Dabei gibt es große Unterschiede in den verschiedenen Absatzkanälen, denn während Naturkost-Fachhandel und Bio-Supermärkte ein Plus von 9 Prozent einfahren konnten, erzielte der herkömmliche Supermarkt bei seinen Bio-Produkten nur eine Steigerung von 3,6 Prozent. In den Discountern waren sogar weniger Bio-Verbraucher zu verzeichnen.

Die Anzahl der Bio-Märkte stieg im vergangenen Jahr ebenfalls an: Auf 52 Schließungen gab es 101 Neueröffnungen, sodass ein Plus von 49 neuen Bio-Geschäften erkennbar ist. Meist handelt es sich dabei um Bio-Supermärkte.

Leider ist gerade mit dieser Zunahme auch ein unschöner Nebeneffekt verknüpft: Die kleinen Geschäfte, die sich in ländlichen Gegenden niedergelassen haben, mussten schließen, während hauptsächlich große Märkte in Großstädten eröffnet wurden. Während die Bewohner des Landes das Nachsehen haben, profitieren wieder einmal die Städter. Dadurch nimmt das Stadt-Land-Gefälle weiter zu.

Das größte Problem besteht darin, dass das große Wachstum beim Absatz von Bio-Produkten dem kaum vorhandenen Zuwachs an Bio-Bauern widerspricht. Nur 6,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wird von Bio-Landwirten bewirtschaftet. Der Großteil davon sind Betriebe, die nicht zu einem Bio-Verband gehören, sondern nach den deutlich schwächeren Vorschriften der EU arbeiten. Sie streichen zwar die Öko-Prämie ein, produzieren aber dennoch Bio-Massenware wie Eier oder Getreide. Das ist nicht im Sinne des Öko-Verbrauchers, denn Kunden wünschen sich eigentlich Produkte aus der Region oder zumindest aus Deutschland. Oft lassen sie Artikel mit anonymen Bio-Siegeln daher liegen und kaufen beim Bauern um die Ecke ein, auch wenn das kein Öko-Landwirt ist.

Wichtig wäre, in Zukunft viele Bio-Produkte aus der Umgebung anzubieten. Allerdings müsste dafür ein höherer Preis verlangt werden als für Produkte, die aus dem Ausland stammen. Daher wäre es notwendig, den Verbraucher darüber aufzuklären, dass heimische Öko-Produkte einfach teurer sind.

Quelle www.fr-online.de